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  • Halle/Westf. , 24. November 2016
Haller Kreisblatt vom 24.11.2016

Haller Kreisblatt: "Auf der Suche nach dem Selbstverständnis"

Debatte: Die Haller SPD diskutiert mit Bundestagsaspirantin Elvan Korkmaz

Elvan Korkmaz in Halle (Westf.)

Halle (max). Wenn es zwischen all den Krisen in der Welt - den Unruhen im Nahen Osten, dem Brexit oder der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten - eine gute Nachricht für die Genossen gibt, dann ist es jene, die Elvan Korkmaz am Dienstagabend im Landhotel Jäckel mitgebracht hat: "Keine andere Partei hat nach der US-Wahl so viele Neueintritte zu verzeichnen, wie wir", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Landes-SPD, die 2017 in den Bundestag einziehen möchte.

Korkmaz war nach Halle gekommen, um mit 14 Mitgliedern über soziale Gerechtigkeit zu diskutieren und ein breites Meinungsbild der Basis mitzunehmen. Die 31-Jährige begann mit einem Vortrag in dem sie die Werte beschwor, die ihre Partei einst erstritten hat und die angesichts der weltweiten Krisenherde dringender denn je benötigt werden. Den Brexit nannte Korkmaz "traurig", sie positionierte sich jedoch gegen eine Sonderbehandlung des Landes: "Wenn ein Staat austritt, muss er alle Konsequenzen tragen." Den neuen US-Präsidenten Donald Trump bezeichnete die SPD-Hoffnung als unberechenbar und sprach von einem Wahlergebnis, mit dem keiner gerechnet habe.

Mit Blick auf die Herausforderungen in Deutschland forderte Korkmaz Investitionen in die Bildung, aber auch in die soziale Sicherheit. Und sprach sich für eine gute und gerechte Entlohnung aus. "Das bedeutet auch, dass gleiche Arbeit gleich bezahlt wird", sagte die 31-Jährige und erinnert an die Lohnlücke von 21 Prozent zwischen Mann und Frau.

Bei der anschließenden Diskussion beschäftigte die Haller SPD vor allem das Selbstverständnis der eigenen Partei. "Wie wollen wir denn Wahlen gewinnen, wenn wir nie das Positive herausstellen? Wir müssen selbstbewusster werden", fand eine Genossin. Ein andres Mitglied argumentierte, dass es nicht entscheidend sei, was man in der Vergangenheit geschafft habe, sondern wie man in Zukunft Leute zurückgewinnen könne, die man bei klassischen Themen wie der sozialen Gerechtigkeit verloren habe.
"Wir rechtfertigen uns nicht durch die Vergangenheit, sondern weil wir Pläne für das Land haben", konterte Korkmaz und versprach, dass die soziale Gerechtigkeit im Wahlprogramm einen besonderen Stellenwert erhalte.